Pegida München freut sich über weniger Neonazis auf eigener Demo

Pegida rechts - Gegendemo links. Beides etwas kleiner als sonst

Am Montag stand beim Ableger in der bayerischen Hauptstadt die 55. Demonstration an. Im Bericht erfreute sich die Gruppierung, dass einige bekannte Akteure aus den Reihen des Dritten Weges fehlten. Rechtsextrem ging es dennoch zu. Mit etwa 130 Teilnehmern war es einer der kleinsten Aufmärsche der Münchner Islamfeinde. Eine Touristengruppe musste vor der Demonstration fliehen.

Es seien „keine Neonazis dabei gewesen“ und auch keine „Schwarzweißrot-Frakturschrift-Transparente“ stellte der Bericht auf der Pegida-Seite fest. Autor „Floydmasika“ bewertete diesen angenommenen Umstand positiv als „verbessertes Erscheinungsbild“. In den vergangen Wochen war die Flagge sowie Sprechchöre wie etwa „Antifa Hurensöhne“ im Nachhinein kritisiert worden, vor Ort vorgegangen wurde dagegen nicht. Zum Teil wurde es als Reaktion auf Parolen der Gegendemonstranten entschuldigt. Eine inhaltliche Abgrenzung erfolgte nicht, sondern allenfalls eine in der Form der Darstellung.

Auch Matthias Fischer, einer der führenden Kader der Partei Der Dritte Weg, maßregelte vor einem Jahr auf der Mai-Demo in Saalfeld einen Demonstrationsblock, der durch allzu hooliganartige Sprechgesänge nicht in sein Bild einer „ordentlichen“ Veranstaltung passte.

Am Montag fehlten Teilnehmer, die sonst regelmäßig das Bild der Demonstrationen geprägt hatten, an der Spitze mitliefen und auch Parolen vorgaben. Gemeint sind die Aktivisten der Partei Der Dritte Weg um die beiden verurteilten Rechtsterroristen Karl-Heinz Statzberger und Thomas Schatt, oft unterwegs im Verbund mit der der rechtsextremen Hooligan-Szene zugerechneten Petra K.

„Nazifrei“ war die Veranstaltung deswegen noch lange nicht. Die beiden Kader der neonazistischen Kleinstpartei Die Rechte, Lukas Bals und Markus Walter, machten sie wie schon in den letzten Wochen den Weg aus dem hohen Norden in die Landeshauptstadt. Tobias Roidl, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes München durfte zeitweise sogar das neue Banner für Pegida durch die Stadt tragen. Der auf LKW-Plane gedruckte Spruch richtete sich mit einer Anspielung auf George Orwells „1984“ gegen die etablierten Medien. Das Pegida-Banner wurde zeitweise von zwei Frauen getragen, sie sich schon an Aktionen des Dritten Weges beteiligt hatten, so der Kundgebung vor dem Kaufhaus MIRA im letzten August. Von der NPD wurde die Münchner Kreisvorsitzende Renate Werlberger gesehen, eine ebenfalls „treue Spaziergängerin“.

Tobias Roidl (Die Rechte) am neuen Orwell-Banner

Krieg kein Grund zur Flucht

Im inhaltlichen Teil kamen neben Pegida-Chef Heinz Meyer noch Maria Frank aus dem Umfeld von Michael Stürzenberger, ein Lette und die häufige Rednerin Dorothea Hohner zu Wort. Die Augsburgerin beklagte sich über die angeblich pöbelnden Gegendemonstranten, sparte aber wie üblich nicht mit eigenen herabsetzenden Adjektiven. Bürgerkrieg war für die Augsburgerin ausdrücklich kein Fluchtgrund mehr, was sie mit martialischer Anspielung auf „die Deutschen im Zweiten Weltkrieg“ zum Ausdruck brachte. Pegida hat sich hier weit entfernt von der Aussage im ersten Positionspapier, dass die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen Menschenpflicht sei. Es besteht sogar Grund zur Annahme, dass diese Passagen nie ernst gemeint waren, sondern allenfalls defensiven Charakter hatten, um in der Anfangsphase Vorwürfe abwehren zu können.

Auch Heinz Meyer fiel wieder mit groben Formulierungen auf. In der Überleitung von Frank auf Hohner bezeichnete er Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter als „Filzlaus“. Der Islam habe für ihn nicht nur in Deutschland, Europa noch irgendwo auf der Welt einen Platz, sondern allenfalls auf dem Müllhaufen, so der Versammlungsleiter.

Reisegruppe musste im Laufschritt vor Demonstration fliehen

Die wöchentlichen Pegida-
Demonstrationen, zuletzt mit immer weniger Teilnehmern, sind auch für die vielen Geschäftsleute in der Münchner Innenstadt ein Ärgernis. Gerade, wenn die Islamhasser vom Treffpunkt am Odeonsplatz nicht schnurstracks nach Norden abmarschieren, sondern durch die Gassen, westlich und südlich der Feldherrnhalle. Beschwerden an die Stadtverwaltung waren die Folge.

Gegendemonstranten hatten sich erneut das Isartor, einer Engstelle der „Altstadtroute“, für ihren Protest ausgesucht. Einige Pegida-Gegner besetzten dort die Absperrgitter. Pegida musste nahe des Marienplatzes zunächst gestoppt werden. Die Polizei entschied sich für eine Umleitung über den Radlsteg und die Zwingerstraße.

Durch die Änderung stand auch eine asiatische Reisegruppe im Fokus. In der Dunkelheit waren sie zunächst kaum von Gegendemonstranten zu unterscheiden, zumal die Stadtführer auch mit kleinen Fähnchen ausgestattet waren. Im Laufschritt musste sich die Gruppe entfernen und beobachtete schließlich auf Höhe des Isartores die vorbeiziehende Demonstration samt Gegnerbegleitung.

Die asiatische Reisegruppe am Straßenrand

Auch dem Autor des Pegida-Berichts ist die sinkende Teilnehmerzahl nicht entgangen. Als Erklärung wird die Deutung angeboten, dass es ja schon die zweite Demonstration innerhalb von zwei Tagen in München gewesen wäre. Er spielt damit auf die Kundgebung der AfD Oberbayern am beinahe gleichen Ort an, die am Samstag stattfand. Auch diese war mit in der Spitze 150 Teilnehmern, darunter viele Funktionäre, alles andere als gut besucht.