AfD München-OstPetry-Auftritt zog Münchens rechte Szene an

Frauke Petry im Hofbräukeller

Der Auftritt von AfD-Bundessprecherin Frauke Petry im Hofbräukeller zog am Freitagabend über 400 Gäste an, unter die sich einige bekannte Gesichter der rechtsextremen Szene gemischt hatten. Zuvor solidarisierte sich eine neue Pegida-Abspaltung mit der Partei und legte ein blamables Debüt hin.

„AfD-Petry spricht vor Terror-Nazi“ titelte BILD München über den Auftritt im Hofbräukeller. Dem Blatt war aufgefallen, dass sich der verurteilte Rechtsterrorist und Aktivist der neonazistischen Kleinstpartei Der Dritte Weg, Thomas Schatt, unter den Gästen befand. Recht frühzeitig hatte er zusammen mit der im BILD-Bericht ebenfalls namentlich erwähnten Petra K. (aktiv bei Pegida München, Der Dritte Weg, Brigade Giesing) die Lokalität betreten. Ein Foto zeigt beide in bester Laune während des Auftritts der AfD-Bundessprecherin Frauke Petry.

Die AfD München-Ost hatte sich die Veranstaltung bekanntlich vor Gericht erstreiten müssen. Trotz Vertrag und getätigter Anzahlung hatte der Wirt Ricky Steinberg nach dem Bundesparteitag der Partei Ende April in Stuttgart versucht, die Veranstaltung abzusagen – und Petry auszuladen. Seine Bedenken, es sei ein größeres Sicherheitskonzept nötig und die Partei habe sich radikalisiert, reichten vor dem Landgericht München nicht aus, eine Kündigung zu rechtfertigen.

Rechtes „Stelldichein“

Schatt und Co. waren nicht die einzigen bekannten Gesichter aus der Szene, die Petry anzog. Münchens NPD-Vorsitzende Renate Werlberger ließ sich den Auftritt nicht entgehen. Hinzu kamen Pegida-„Spaziergänger“, darunter auch Maria W., die in der Vergangenheit schon mit den Neonazis vom Dritten Weg gemeinsam auf der Straße war und Flyer der rechtsextremen „Unabhängigen Nachrichten“ verteilte. Noch während der Petry-Rede verließ der szenebekannte Rapper Chris Ares den Hofbräukeller. Am Mittwoch soll er laut Ankündigung des Landesverbands Thüringen bei Björn Höcke in Erfurt auftreten. Die AfD Bayern hatte den Aktivisten eines „Bündnis deutscher Patrioten“ schon zur Demonstration in Geretsried gebucht. Außerdem wird er der Identitären Bewegung zugerechnet.

Thomas Schatt beim Betreten des Hofbräukellers, rechts davor Chris Ares

AfD wittert was – natürlich, eine Kampagne

Die AfD distanzierte sich im Nachgang mit Bezug auf Schatt und berief sich auf Unkenntnis. Allerdings hätte seine Anwesenheit Parteikreisen ab etwa 18 Uhr bekannt sein können. Es folgten zudem die beinahe schon erwartbaren Reflexe: angebliche Linksextremisten auf früheren Veranstaltungen hätten die Medien nicht interessiert. Die Berichte über die Teilnahme von Neonazis seien nichts anderes als eine Kampagne, wird Landeschef Bystron in der tz zitiert.

Dabei waren Mitglieder des veranstaltenden Kreisverbandes München-Ost der AfD selbst schon aufgefallen. Stellvertretende Vorsitzende ist Iris Wassill. Basierend auf ihren im Internet getätigten Ausführungen über „Machteliten am Beispiel George Soros“ attestierte ihr Netz gegen Nazis, „
zutiefst in einem verschwörungsideologischen Weltbild mit vielen Bezugspunkten zum Antisemitismus verhaftet zu sein.“
Besitzer Thomas Fügner, zugleich im Landesvorstand, hatte bei Pegida München geredet und laut Münchner Merkur Abstammungsnachweise als scheinbar ausschließliches Kriterium für ein „Deutsch sein“ gefordert.

Petry ließ nach einem Bericht der taz mindestens an einer Stelle die Maske fallen. Sie verlangte in der Fragerunde offenbar die Assimilierung von Muslimen. Ein Beleg, wie sehr die Partei versucht, Begriffe wie „Integration“ umzudeuten.

Pegida beobachtet Pegida-Abspaltung

Die Diskussion um eine mögliche Absage der AfD-Veranstaltung durch die vom Wirt erstrebte Kündigung hatte offenbar auch Spannungen innerhalb des Münchner Pegida-Ablegers befeuert. Unter der Woche warf Heinz Meyer, offenbar mit Rückendeckung aus Dresden, die beiden bisherigen Aktivisten Stefan Werner und Hartmut Pilch aus der Organisation. Der langjährige Kader der PRO-Parteien, Werner, hatte sich an der Öffentlichkeitsarbeit für Pegida München versucht, der Übersetzer Pilch war häufiger Redner und wurde von Meyer gerne als ihr „Vorzeige-Intellektueller“ hingestellt.

Klopapier «verstärkt» die Absperrung

Beide waren auch am Freitagnachmittag die treibenden Kräfte hinter eine Mahnwache, die sich mit der AfD nach der versuchten Kündigung des Höfbräukeller-Wirtes solidarisieren wollte. „Liberalitas Bavariae in Gastronomia – LBG“ nannten sie ihre Organisation hinter der Veranstaltung. Bis zu 20 Personen waren angemeldet, zur Veranstaltung bekannten sich dann nur fünf.

Heinz Meyer verfolgte das Treiben wohl mit innerer Genugtuung vom nahen Cafe aus, zusammen mit weiteren Mitstreitern, die wohl Pegida München treu bleiben. Selbst diese offenbare „Beobachtungstruppe“ war personell größer als die Mahnwache von Werner und Pilch.

Das ganz geriet zur peinlichen Veranstaltung. Selbst ein Passant fragt Pilch, der mehr als eine Stunde redete, ob er denn nicht merke, dass ihm keiner mehr zuhöre. Sogar einzelne Sprechchöre von Gegendemonstranten reichten aus, die rechte Splittergruppe zu übertönen. Als die Opponenten die Absperrungen mit Toilettenpapier einwickelten, unterstrich dies den Charakter des Flops.