NPD CoburgStatt Kloster: Ehemaliger Betrüger wird NPD-Funktionär

Der heutige NPD-Vorsitzende gab sich von 2010 bis 2012 als Arzt aus - Symbolbild rangizzz © 123RF.com

Anfang März wählte die Coburger NPD einen neuen Vorsitzenden. Der neue Mann an der Spitze eines der aktivsten Kreisverbände der Partei in Bayern hat eine bewegte Vorgeschichte, die weiter am Label „Recht und Ordnung“, das sich die Organisation gerne geben möchte, kratzen dürfte.

Wenn es um sogenannte Asylbetrüger geht, kennt die NPD keinen Spaß und kein Pardon. Dabei würde niemand einen Studierenden, bei dem es nach Prüfung seiner Angaben nicht zur Förderung reicht, als „BAföG-Betrüger“ brandmarken wollen oder einen Unternehmer als „Subventionsbetrüger“, solange die Angaben korrekt waren.

Mitte März teilte der Kreisverband Coburg der NPD auf seiner Facebook-Seite eine Grafik, die Partei sei der „Impfstoff gegen Asylbetrug“. Mit anderen Betrügereien ist die von einem Verbot bedrohte Organisation offensichtlich nachsichtiger, denn der zwei Wochen vorher gewählte neue Vorsitzende, Thomas K., kann hier als gebranntes Kind gelten. Seine Geschichte war 2012 Aufhänger für einen Beitrag des Sterns über betrügerische Ärzte. Titel: Hochstapler in Weiß.

Von 2010 bis 2012 soll er in seiner Wohnung in Neutraubling in der Oberpfalz eine illegale Praxis betrieben haben. Gefälschte Urkunden gaben ihn als Arzt aus. Eine medizinische Ausbildung hatte er keine. Er hatte nach Information der Mittelbayerischen Zeitung vorher als selbstständiger Detektiv und Kraftfahrer gearbeitet. Aufgeflogen sei K., als er sich neben der Bezeichnung „Allgemeinarzt“ und „Mediziner für Naturheilverfahren“ auch noch als Betriebsarzt der nahen Krones AG ausgeben wollte. Die Ermittlungen liefen seit November 2011. Weil er seine Dienste auch über das Internet angeboten hatte, veröffentlichten Polizei und Staatsanwaltschaft 2012 seinen vollen Namen und Foto, um möglicherweise bislang unbekannte Opfer zu finden. Bei einer Razzia fand die Polizei obendrein einen Schlagring.

Statt ins Kloster ging es zur NPD

Im August 2013 folgte dann das Urteil. Weil er keinen Schaden angerichtet hatte und Reue zeigte, so die Richterin, wurde er zu einem Jahr und sieben Monat Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Mit Ausnahme seiner Freundin, der er wohl auch Spritzen gesetzt habe, hätte er seine Patienten nur oberflächlich behandelt. Zwei weitere Betrügereien fanden sich schon in seiner Akte.

„Wenn alles vorbei ist, will ich ins Kloster nach Wien gehen“, zitierte die Münchner tz den Verurteilten in ihrem Artikel. Ob er dort je ankam, ist unklar. Stattdessen ging es, wie nun bekannt wurde, zur NPD.

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Update 11.05.2016: Wie die NPD Coburg auf ihrer Facebook-Seite mitteilt, trat K. am 09.05.2016 von seinen Ämtern zurück und hat die Partei angeblich verlassen. Name wurde abgekürzt.