Die Rechte / NPDFrust bei Nürnberger Neonazis: Widerstand übertönte alle Reden

Sogar zu einer Blockade kam es im Laufe der Tour durch den Nürnberger Stadtteil Reichelsdorf

Nur wenige Tage blieben der Zivilgesellschaft zur Mobilisierung: am Mittwoch wurde bekannt, dass die Neonazis der Partei „Die Rechte“ am Sonntag durch den Nürnberger Vorort Reichelsdorf ziehen und insgesamt neun Kundgebungen abhalten wollen. Unterstützung kam – wie in der Vergangenheit – von Anhängern der NPD. Bundesweit ist das nicht so häufig, ist die Partei doch ein Sammelbecken für unzufriedene Nationaldemokraten.

Umso größer dürfte dann die Überraschung bei den bekannten Kadern Rainer Biller, Thomas Rohr, Dan Eising und Co gewesen sein: schon bei der Auftaktkundgebung sahen sich die dreizehn Neonazis mit mehr als vierzig AntifaschistInnen konfrontiert, die ihnen lautstark gegenüber traten.

Zeitweise beteiligten sich ungefähr 130 Personen an den Protesten gegen die Rassisten, immer wieder stießen Anwohner dazu, die den Protest unterstützten.

Einhelliges «Haut ab!» auf Seite der Zivilgesellschaft

Uli Schneeweiß von der Gewerkschaft ver.di analysierte in seiner Rede, wie die diversen rassistischen Gruppen in der Stadt mit den nahezu wöchentlichen Aufmärschen versuchen, ihre menschenverachtende Ideologie zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Diskussion zu machen.

Rüdiger Löster, Sprecher des AK gegen Rechts der Nürnberger SPD, gab sich kämpferisch: „Wir werden immer wieder aufstehen und auf die Straße gehen – solange das rechtsextremistische Gedankengut verbreitet wird, sind wir gefordert!“ Und der Kleingruppe auf Seiten der Neonazis rief er zu: „HAUT AB – niemand in Nürnberg will euch!“

Auf welcher Seite die Zivilbevölkerung insgesamt stand, symbolisierten noch die abschließenden Worte des Ehrenvorsitzenden der Reichelsdorfer Vereine, Dr. Manfred Scholz. Auch er rief den Rechtsextremem zu: „Verschwindet, geht nach Hause, niemand in Reichelsdorf braucht euch!“

Heutige Neonazis keine Wüstenkrieger

Biller, Eising und Co. hatten neun Kundgebungen im Zeitraum von 11 bis 20 Uhr angemeldet. Aber sehr hitzebeständig waren sie nicht: bei 32 Grad und einem ohrenbetäubenden Lärm der AntifaschistInnen verging ihnen bald die Lust an ihrem Auftritt. Die Tour wurde um zwei Kundgebungen gekürzt und endete bereits um 15 Uhr. Zur Überraschung von Polizei und Neonazis gab es auch eine kurze Blockade auf der Route. Zwei Teilnehmer auf Seiten der Rechten konnten nur mit abgeklebten Tattoos teilnehmen.

Thomas Rohr, Dan Eising und Rainer Biller kämpfen mit der Technik und dem lauten Widerstand

Inhaltlich boten die Neonazis wenig Neues gegenüber früheren Veranstaltungen, etwa in Langwasser. Erneut forderten sie im NS-Jargon die Abschiebung aller Menschen, die nicht „deutschen oder artverwandten Blutes“ seien.

Kundgebungen als Drohkulisse

Biller und Eising kündigten sowohl öffentlich als auch wohl gegenüber der Polizei und dem Ordnungsamt an, zukünftig jedes Wochenende in einem anderen Nürnberger Stadtteil aufzumarschieren.

Neonazi-Gegner sahen in einer Stellungnahme gegenüber ENDSTATION RECHTS.Bayern hier auch die Stadt Nürnberg gefordert: auch beim in einer demokratischen Gesellschaft sehr wichtigen Demonstrationsrecht gilt es die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Kann es sein, dass dreizehn rechtsextreme Personen jeweils einen Tag lang einen ganzen Stadtteil blockieren und terrorisieren? Für sie gelte aber auch weiterhin, was unter anderem von Rüdiger Löster ausgeführt wurde: „Nürnberg lässt sich nicht zermürben – Nürnberg hält zusammen gegen Neonazis“.