Zirndorf: Für Blockade gab es Freibier

Aufstellung zum Gruppenfoto. Viel größer war der rechte Aufmarsch nicht.

Wenige Wochen nach einer Mini-Demonstration kehrten rechtsextreme Kreise am Sonntag ins mittelfränkische Zirndorf zurück. Ihr Plan: über 8 Stunden lang von Station zu Station ihr Weltbild mitten in Stadt mit einer großer Flüchtlingseinrichtung verbreiten. Wieder ging die Bevölkerung gegen die Veranstaltung in großer Zahl auf die Straße. Ein Teil der Blockierer wurde „bayerisch“ entlohnt.

Schon die Veranstaltung der rechtsextremen Bürgerinitiative „Franken wehrt sich“ um die NPD-nahe Monique Schober war alles andere als eine Machtdemonstration. Trotz großer Werbung kamen Anfang Juli nur 25 Anhänger zur Demonstration nach Zirndorf. Ihnen gegenüber standen etwa 800 Personen. Besonders eindrucksvoll war damals sowohl die zentrale Gegenveranstaltung am Marktplatz, als auch der menschliche Schutzwall, den ebenfalls mehrere Hundert Gegendemonstranten um die Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge bildeten, als der kleine Trupp Neonazis diese erreichte.
Am Sonntag gingen wieder etwa 350 Menschen auf die Straße, ein Teil protestierte direkt an der rechtsextremen Veranstaltung. Am Marktplatz und dem Nadelöhr in der Nürnberger Straße kam es dann zum direkten Aufeinandertreffen. Eine Blockade von etwa 150 Personen verhinderte hier den Weitermarsch der Rechten auf der angemeldeten Route. Nach drei erfolglosen Durchsagen der Polizei an die Blockierer entschied die Einsatzleitung, dass eine Räumung unverhältnismäßig wäre.

Erneut viele Teilnehmer bei der Gegenveranstaltung «Zirndorf heißt willkommen»

Die Neonazis nahmen nach längerer Beratung das Angebot für eine alternative Route an, gingen zunächst zurück zum Bahnhof. Die Polizei schirmte die neue Strecke stark ab, so dass die Teilnehmer ihre Tour relativ ungestört fortsetzten konnten, die kurz nach 18 Uhr für beendet erklärt wurde. Aus einer Gastwirtschaft heraus wurden vier Bierkrüge an die Organisatoren der Gegenveranstaltung gespendet, die es dann solidarisch an die Blockierer weiterreichten. Eine unbekannte Frau hatte nach Auskunft den Gerstensaft gestiftet.

Freibier, das an die Leute in der Blockade verteilt wurde

Fast mehr braune Häuptlinge als Indianer

Zu der Informationstour mit insgesamt zwölf Stationen und angesetzten acht Stunden Dauer hatte der rechtsextreme Kader Rainer Biller aufgerufen. Er hatte sie schon vor der Serie der jüngsten Gewalttaten in Bayern geplant, die Ereignisse aber als zusätzliche Werbung genutzt. Es half alles nichts. Mit im Schnitt 15 Teilnehmern blieb die Veranstaltung in dem Rahmen wie seine früheren Veranstaltungen in Nürnberg. Dort zog er in der Vergangenheit mit ähnlich kleinen Trupps von Station zu Station und band Polizeikräfte, die seine Touren absichern mussten. Auffällig war am Sonntag die hohe Dichte an bekannten Aktivsten der bayerischen Neonazi-Szene: Mit dem Münchner Stadtrat Karl Richter, Roland Wuttke, Philipp Hasselbach und Björn-Christopher Balbin gesellten sich südbayerische Kader zu Biller und Thomas Rohr aus Mittelfranken.

Rohr, der seit einigen Wochen auch als Redner auftritt, bediente sich erneut der Formulierung von „deutschem oder artverwandten Blut“, mit der die NSDAP die Nürnberger Rassegesetze einleitete. Wuttke spekulierte über Waffenarsenale, die angeblich von Menschen mit Migrationshintergrund zu Hause gehortet würden – eine spaltende Formulierung, mit der er seit Jahren durch die Lande zieht.