AfD-Bundestagskandidaten Rechte Lautsprecher durch noch rechtere Strippenzieher ersetzt

Bystron und Ebner-Steiner (Mitte, eingerahmt vom Ehepaar Klingen)) noch ohne Platz auf der Bundestagsliste der AfD Bayern. Archiv: Veranstaltung in Würzburg

Bei der Aufstellung der Kandidaten für den Bundestag sind bei der AfD Bayern überraschend der Landesvorsitzende Petr Bystron und die Deggendorferin Katrin Ebner-Steiner durchgefallen. Zwei der ersten drei Plätze gingen an weitgehend unbekannte Kandidaten, die wohl vom Björn Höcke nahestehenden Parteiflügel unterstützt wurden. Der ehemalige Schatzmeister zog inzwischen die Konsequenzen und trat aus der AfD aus.

An insgesamt drei Tagen will die bayerische AfD im mittelfränkischen Greding ihre Bundestagsliste aufstellen. Nach momentanen Umfragen könnte zehn Kandidaten der Sprung ins Parlament gelingen. Da bei der Wahl im September der Einzug starr nach Reihung erfolgt, gibt es sichere, weniger sichere und aussichtslose Plätze. Bewirbt sich der Landesvorsitzende um ein Mandat, dann gilt er in der Regel als gesetzt oder er ist am Tag danach kein Landesvorsitzender mehr. Anders bei der AfD. Dort ließen die anwesenden Mitglieder Petr Bystron durchfallen und wählten statt seiner den weitgehend unbekannten Starnberger Kandidaten Martin Hebner zum Spitzenkandidaten. 243 Mitglieder stimmten für den Schriftführer des Landesvorstands, für Bystron 190. Der dritte Kandidat, Thomas Thiel, ging mit nur zehn Stimmen aus der Abstimmung.

Lob für die Identitäre Bewegung

Bystron wurde wohl dafür verantwortlich gemacht, dass sich der Landesverband offiziell auf die Seite von Frauke Petry stellte, als diese Björn Höcke nach dessen Dresdner Rede ausschließen lassen wollte. Und offenbar gilt er vielen im Verband als nicht rechts genug. Vor diesem Hintergrund wirken Statements wie zuletzt bei einer Veranstaltung mit Parteivize Alexander Gauland in Maisach wie ein verzweifelter Versuch, noch das Ruder herumzureißen. Dort sprach er bewundernd von der in Bayern vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung. Diese sei eine „tolle Organisation, eine Vorfeldorganisation der AfD“, die es zu unterstützen gelte.

Who the fuck is.. selbst beim AfD-nahen Portal «Metropolico» weiß man mit dem Spitzenkandidaten wenig anzufangen. Screenshot: Internetseite Metropolico

Es folgten Avancen an den Flügel und das Strauß zugeschriebene Zitat „Rechts von uns ist nur noch die Wand“. Es beschwor dabei auch den Zusammenhalt gegen „die Linksfaschisten“, womit wohl auch die etwa 100 Gegendemonstranten auf der Straße gemeint waren. Das alles half Bystron nichts. Hebner hatte sich sogar noch den Affront erlauben können, seine Gegenkandidatur erst auf dem Parteitag zu verkünden.
Auf Platz zwei wurde Peter Boehringer aus der Oberpfalz gewählt, der mit Vorträgen zu Geld, Gold und dem Euro durch die Kreisverbände tourt. Er hatte sich mit 380 zu 51 Stimmen gegen den Vorsitzenden des Kreisverbandes München-Ost, Wilfried Biedermann, durchgesetzt.

Um Platz drei bewarb sich mit der Deggendorferin Katrin Ebner-Steiner eine auf vielen Demonstrationen, Veranstaltungen und in Videobotschaften präsente Kandidatin. Eines des bekannteren Gesichter der AfD. Zusammen mit Bystron, dem Nürnberger Vorsitzenden Martin Sichert und dem Mittelständler Hansjörg Müller gehört sie zu dem Rednerpool, mit dem die AfD in Bayern öffentliche Veranstaltungen bestritten hatte. Sie schnitt noch schlechter ab als der Landesvorsitzende und schied im ersten Wahlgang mit deutlich unter hundert Stimmen gleich aus. Das Rennen machte die ebenfalls weitgehend unbekannte Straubingerin Corinna Miazga.

Platz 3: Schon vor der AfD gegen Flüchtlingsunterkunft

Schlagzeilen machte sie vor allem durch ein seit beinahe drei Jahren laufendes Parteiausschlussverfahren wegen Parteischädigung. In einem juristischen Kleinkrieg versuchte sie laut FAZ die Finanzordnung für ungültig erklären zu lassen und in der Folge auch Vorstände abzusetzen. In ihrer Bewerbungsrede stellte sie sich geradezu als Gegenmodell zu Ebner-Steiner auf. Sie bezeichnete sich als Arbeitsfunktionärin, die nicht auf Plakaten, im Fernsehen oder auf Flyern zu sehen sei. In die Kamera zu lächeln sei keine Parteiarbeit. Als privaten Erfolg vor ihrer Zeit in der AfD verbuchte sie, dass sie eine geplante Asylbewerberunterkunft in Straubing verhindert habe. Zusammen mit einem Oberstaatsanwalt aus Landshut machte sie sich den alternativen Vorschlag des Bezirks Niederbayern für ein Grundsatzprogramm der AfD zu Eigen.

Aussagen, die die baldige MdB so liked

Intern ist bekannt, wofür die Kandidaten stehen

Eben jener Entwurf hatte die niederbayerische AfD wegen der islamfeindlichen Thesen in die Schlagzeilen gebracht. Für den Präsidenten des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz orientierte sich der Bezirk sogar an den Thesen der inzwischen aufgelösten Kleinstpartei Die Freiheit, die wegen ihrer Inhalte vom Amt beobachtet wurde. Eine halbherzige Distanzierung Bystrons von dem Entwurf unterband damals strenge Nachfragen, ob denn nicht auch die bayerische AfD bzw. der Regionalverband Niederbayern beobachtet werden müsste. Eine Frage, die sich angesichts des guten Abschneidens von Miazga und der Abstrafung Bystrons vielleicht neu stellt.

Der ehemalige Landesschatzmeister Andreas Strixner, laut Mainpost auch für die Mitgliederverwaltung zuständig, geht in seiner Bewertung noch weiter. Für ihn stehen laut einem Statement auf seiner Facebook-Seite, mit dem er seinen Austritt aus der AfD verkündete, Hebner und auch Miazga nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Höckes Flügel, für ihn ein „radikales Sammelsurium aus völkisch denkenden und zu weil rassistisch daherkommenden Ewiggestrigen“ habe das Regiment übernommen. Seit rund einem Jahr würde die Partei mit „Ultrarechten förmlich geflutet“, schreibt Strixner, früher Vorsitzender in Freising und Pfaffenhofen.

Für Peter Boehringer ist sein Kollege im Spitzenteam der AfD dagegen nur ein scharfer „Islamkritiker“. Bei dem Thema gebe es auch keine inhaltlichen Differenzen in der Partei. Die Zuordnung von Miazga zum „Flügel“ stieß bei Boehringer auf Unverständnis. Und in der Tat setzt sie ihre öffentlichen „Likes“ auch nur äußert selten bei Höcke, dafür eher bei anderen Rechtsaußen-Ikonen wie Jürgen Elsässer, dem verstorbenen Udo Ulfkotte oder auch mal Akif Pirinçci.

Fortsetzung am nächsten Wochenende

Am kommenden Wochenende trifft sich die Partei wieder in Greding. Dort wird die AfD Bayern dann klären, wer auf die weiteren aussichtsreichen Plätze kommt. Offen ist noch, ob Bystron sich vorne bewerben wird. Nach dem Erfolg für die nahestehenden Kandidaten könnten auch andere Höcke-Getreue aus Franken nach aussichtsreichen Plätzen greifen, etwa der Bezirksvorsitzende von Unterfranken, Christian Klingen, der Nürnberger Vorsitzende Martin Sichert oder Georg Hock aus Oberfranken.

Main-Post: Watschn für Bystron mit Reaktionen Screenshot Facebook-Seite Christian Klingen und ausgewählte Kommentare

Geklärt wird dann auch, wie die Partei mit anderen fragwürdigen Kandidaten umgeht, wie dem als „dubioser Polit-Prinz vom Tegernsee“ in die Schlagzeilen geratenen Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau oder der unter „Reichsbürger“-Verdacht stehenden Funktionärin aus München, Iris Wassill. Beide wollen laut einer veröffentlichten Liste kandidieren. Bleiben die Konstellationen etwa wie am vergangenen Wochenende, dürfte zumindest Dirk Driesang etwaige Hoffnungen auf einen Platz im Bundestag begraben. Er sitzt als Beisitzer im Bundesvorstand und hatte die Untersuchungen zu den rechten Verstrickungen des Landesverbands Saarland geleitet und die Ablösung empfohlen. In dem Streit um Höcke empfahl er dem Thüringer Rechtsaußen sogar den freiwilligen Parteiaustritt. Schlechte Karten, um sich im Landesverband Bayern zu etablieren.