KundgebungStürzenberger und Crew vereinsamten am Regensburger Domplatz

Eine Kundgebung voller Pannen für Stürzenberger und Co.

Nur für ihre Live-Streams hielten am Samstag 14 Islamfeinde eine Kundgebung vor exklusiver Kulisse am Regensburger Dom ab. Die Pegida-Aktivisten Stürzenberger, Tegetmeyer & Co. brachen die Veranstaltung nach einer längeren Pause schließlich ab. Gegen die kurzfristig bekannt gewordene Veranstaltung stellten sich in der Spitze hundert Gegendemonstranten.

Nach der AfD vor einigen Wochen, versuchte am Samstag auch der bekannte Islamhasser Michael Stürzenberger politisches Kapital aus den Plänen der Regensburger Ditib-Gemeinde zu schlagen, auf einem Grundstück im Osten der Stadt eine neue Moschee mit Begegnungszentrum zu bauen. Die Gemeinde gibt es seit 1978 in der Stadt. Die in der Altstadt betriebene Moschee war deutlich zu klein geworden.

Versammlungsleiter am Samstag war der Regensburger Erhard Brucker, ein langjähriger Weggefährte Stürzenbergers. Als Veranstalter trat die Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) auf. Seit der Auflösung der islamfeindlichen Kleinstpartei „Die Freiheit“ greifen Stürzenberger und seine Gesinnungsgenossen wieder häufiger auf den bundesweiten Verein als Plattform für ihre Veranstaltungen in Bayern zurück. Auch der bayerische Verfassungsschutzbericht meldete zuletzt ein Wiederaufleben der Aktivitäten. Eine angestrengte Klage gegen die Beobachtung des bayerischen Landesverbandes der BPE wurde 2015 von den Gerichten rechtskräftig zurückgewiesen.

Stürzenberger und seine Anhänger alleine auf dem Domplatz

Die Veranstaltung war erst am Freitag öffentlich auf rechten Seiten beworben worden. Stürzenberger setzte wohl auf Laufpublikum, das vom Wochenmarkt am Kornmarkt weiter in die Altstadt wollte. Die Polizei machte dem ganzen aber mit der üblichen Absperrung für Versammlungen, wie sie auch schon für Pegida München und die AfD galten, einen Strich durch die Rechnung. Etwa hundert Gegendemonstranten sammelten sich kurzfristig auf Höhe der Pfauengasse. Die Veranstaltung von Stürzenberger kam nur auf 14 wirkliche Teilnehmer. Für Gernot Tegetmeyer war die Stadt wegen der weiträumigen Absperrungen ebenso „linksversifft“ wie München, Nürnberg und Fürth, wo der Pegida-Aktivist sonst auftritt.

Journalistin bepöbelt

Interessierte wurden aber nach Aussage des Polizeisprechers nicht abgehalten. Das wurde deutlich, als ein Zuhörer das „Angebot“ zur Diskussion annahm. Aber statt eines wirklich offenen Mikrofons versuchte Stürzenberger, den Mann in seine Propaganda-Show einzubinden. Immer, wenn ihm danach war, entzog er dem Diskutanten auch mitten im Satz das Wort mit der fadenscheinigen Begründung, er müsse doch darauf gleich antworten. Ein eigenes Mikrofon bekam der Mann nicht, obwohl es vorbereitet war.

Offenes Mikro heißt bei Stürzenberger, dass er dennoch die meiste Zeit selbst redet

Auch eine zufällig anwesende Journalistin wurde von Stürzenberger bepöbelt. Sie verfolgte amüsiert das skurrile Geschehen am leeren Domplatz, auf dem der PI-Autor krampfhaft um Relevanz und Bedeutung seiner Aussagen kämpfte. Weil sie lachte, unterstellte er ihr auch prompt Sympathien für Terror, Morde und sonstige Verbrechen.

„Ausländer“ werden kollektiv „islamisiert“

Während der Diskussion mit dem Bürger bemühte sich Stürzenberger immer wieder, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die ganze Veranstaltung diene „der Aufklärung“, es gehe nicht gegen den Menschen, sondern „immer nur gegen die Ideologie“. Auf einem aufgestellten Schild war zu lesen, der Islam sein keine Rasse und die Agitation damit auch kein Rassismus.

Gernot Tegetmeyer unterstellte selbst Neugeborenen eine Distanz zur Demokratie alleine aufgrund der Herkunft

Wie wenig Konstanz diese Aussagen hatten, zeigte sich immer wieder während der Veranstaltung. Denn zur „Aufklärung über die Ideologie“ gehörte es z. B. für Tegetmeyer, über angeblich muslimische Mehrheiten in Geburtsstationen, Kindergärten und Grundschulen zu sinnieren. Er unterstellte damit Neugeborenen und Teenagern über ihre Herkunft pauschal eine Distanz zur Demokratie. Auch steckte der Fürther Pegida-Aktivist Polizisten mit ausländischem Pass in die „muslimische Ecke“ und unterstellte einer Mehrheit von ihnen pauschal geringere Loyalität. So sei die Polizei auf dem Weg, „islamische Milizen“ aufzubauen. In Bayern gab es 2016 laut Staatsministerium des Inneren knapp 160 Polizistinnen und Polizisten ohne deutsche Staatsbürgerschaft, Tegetmeyer sprach dagegen von „über 1.700“. Zudem forderte er ein europaweites Verbot für halal und koscheres Schlachten von Tieren.

Nach Pause die Lust verloren

Auf die Regensburger Ditib-Gemeinde ging keiner der Redner ein, allgemein ging es um Erdogan, „den Islam an sich“, herausgepickte Straftaten von Geflüchteten oder um Beschimpfung der Gegendemonstranten als „arbeitsloses Gesindel“. Je länger die Veranstaltung dauerte, desto deutlicher wurde es, dass die Reden nur für die zwei Live-Streams und die eine mitgebrachte Videokamera gehalten wurden. Gegen 13 Uhr legten die Veranstalter laut eigener Aussage eine 15-minütige Pause ein, die dann eine ganze Stunde dauerte. Danach gab es noch kurze Reden von der BPE-Landesvorsitzenden Barbara Schöffmann, Michael Stürzenberger und vom Versammlungsleiter Erhard Brucker. Gegen 14.30 Uhr wurde das Schauspiel vor dem Dom dann für beendet erklärt. Laut Anmeldung sollte erst gegen 16.00 Uhr Schluss sein.

Eher Rundfunk als Kundgebung – Reden für die Live-Streams

Stürzenberger hatte erst unter der Woche seinen YouTube-Kanal „Malarich“ mit 2.000 Videos und 24.000 Abonnenten verloren. Er bezeichnete die Seite als sein Lebenswerk und verglich die Löschung mit dem Niederbrennen einer Bibliothek. Bei Demonstrationen machte sich Stürzenberger immer wieder mit Camcorder „bewaffnet“ auf dem Weg zu Gegendemonstranten, um diese meist ungefragt in Diskussionen zu verwickeln.