GeschichtsrevisionismusFulda: Weniger Teilnehmer bei Dresden-Gedenken des III.Wegs

Der III.Weg mit weniger Teilnehmern als vor einem Jahr in Nordhausen

Etwa 150 Teilnehmer konnte die Neonazi-Partei III.Weg zur seit mehreren Jahren stattfindenden Demonstration „Ein Licht für Dresden“ mobilisieren. Die Veranstaltung wurde dieses Jahr in Fulda abgehalten. Die Wahl der Städte wirkt immer mehr beliebig und das Gedenken austauschbar. Gegen den extrem rechten Aufmarsch stellten sich auf diversen Kundgebungen 1.500 Personen, der durch kleinere Blockade behindert wurde.

Mit etwa einem Viertel weniger Teilnehmer als vor einem Jahr in Nordhausen müsste der III.Weg am Samstag in Fulda vorlieb nehmen. Besonders aus den neuen Bundesländern dürften weniger Anhänger als sonst teilgenommen haben. Aus Bayern reiste eine größere Gruppe an. Trotz mehrerer Veranstaltungen gilt der III.Weg im Raum Fulda als personell eher schlecht aufgestellt. Die meisten Teilnehmer trug irgendeine Form von Partei-Merchandising und standen schon vorher in Kontakt mit der Organisation. Durch den Aufruf mobilisiertes „Laufpublikum“ war in geringer Zahl vor Ort.

Wie üblich nutzen die Neonazis die Luftangriffe auf deutsche Städte im Rahmen der Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges, um moralische Anklage gegen die Alliierten zu führen und ihr eigenes Geschichtsbild zu verbreiten. Das wurde neben den Reden vor allem mit einem Banner „Ruhm und Ehre den Verteidigern eines freien Europas“ unterstrichen, auf dem ein Soldat der Waffen-SS abgebildet war. Zur Inszenierung führte die Partei wieder einen Sarg mit. Zwei Aktivisten verkleideten sich in schwarz gehüllt als „Tod“ samt zwei Schildern in Bombenform farblich auf die Flaggen der USA und Großbritanniens abgestimmt.

Matthias Fischer vor Banner mit Soldat der Waffen-SS

Mehr Schauspiel war am Samstag nicht. Die Behörden hatten zahlreiche Auflagen erlassen, von denen einige auf dem Gerichtsweg noch gekippt wurden. Im Gegensatz etwa zur Demonstration in Würzburg gab es in Fulda keine Bengalos, keinen Rauch, keine Sirene oder Lichteffekt. Keine Einschränkungen gab es bei der Auswahl der Ordner. Während es in Tweets von der Demonstration in Dresden hieß, die Organisatoren fanden kein Freiwilligen, die nicht schon mal in Konflikt mit den Strafgesetzen gestanden hätten, konnten in Fulda ein Angeklagter aus dem WWT-Prozess in Bamberg Ordner machen, ebenso wie ein verurteilter Rechtsterrorist oder der Kader, der in Nürnberg von einigen Jahren einen jungen Kurden beinahe zu Tode geprügelt hatte.

Geschichtsbild und offenes Mikro für taube Ohren

Während der Zwischenkundgebung bot der III.Weg, wie vorher auf der Homepage verkündet, ein offenes Mikro an. Der ältere Mann, dessen Hintergrund offen blieb, forderte neben dem Gedenken an die Opfer der Lustangriffe auch Respekt vor den Opfern der Belagerung von Leningrad ein und den deutschen Opfern in den Vernichtungslagern. Matthias Fischer, der auf den Herren antwortete drehte die Aussage komplett und bezog „Vernichtungslager“ und „deutsche Opfer“ auf die Kriegsgefangenenlager der Alliierten nach 1945. Es gehört zur Taktik innerhalb der extremen Rechten, der Shoah ihren Schrecken zu nahmen, in dem der Begriff auf möglichst viele andere Ereignisse ausgedehnt wird, Stichwort: «Bombenholocaust». Dabei dürfte äußerst zweifelhaft sein, dass der III.Weg überhaupt die in deutschen Namen begangenen Taten als Verbrechen ansieht.

Maßgeblicher Akteur des III.Weg in der Region Julian Bender «Gebietsleiter West»

Symptomatisch dafür dürfte auch der in Fulda gefallene Ausspruch „unsere Großväter waren keine Verbrecher“ sein. Erinnert sei hier auch an den Ausspruch Julian Benders in Wunsiedel, als der eine Zeit lobte, in der „der Zionismus besiegt“ worden sei. Bei verständiger Würdigung dürfte das auf die geplante Vernichtung der europäischen Juden gezielt gewesen sein. Immer wieder spielten die verschiedenen Redner mit den Worten „Schuldkult“ und sprachen von Lügen. Was immer der ältere Mann mit seinem Redebeitrag bezweckt hatte, dürfte er nicht erreicht haben.

Ansonsten präsentierten die Redner ein Bild der Geschichte, in der Nazi-Deutschland als eines von vielen Ländern in Europa erschien, das Opfer anglo-amerikanischer Aggression wurde. Matthias Bauerfeind sprach geradezu in neurechter Diktion von einem Angriff auf die „Vielfalt der Völker“.

Retourkutsche nach Demo 2017

Warum es den III.Weg nach Fulda verschlug, wurde auch schnell klar. Besonderheiten zu den Angriffen auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg wurden nicht präsentiert. Dazu gab es nur einen Beitrag auf der Homepage. Für den III.Weg dürfte es auch ums Prestige gegangen sein, fühlten sich die Kader doch bei einer Demonstration im Sommer 2017 schlecht behandelt. Mehrere hundert Gegendemonstranten übertönten damals die Reden der Neonazis und wurden teilweise bis auf Tuchführung herangelassen. Julian Bender, Gebietsleiter West, war es wichtig, seine damalige Aussage, man komme wieder, relativ schnell wahrgemacht zu haben.

Neben Matthias Bauerfeind, Julian Bender und Matthias Fischer sprachen noch der Parteivorsitzende Klaus Armstroff, der reichlich uninspiriert einen Brief verlas und der Gebietsleiter Süd, Walter Strohmeier. Tony Gentsch rief zum Ende noch einige Städtenamen in die Runde, auf die die Teilnehmer ritualisiert jeweils mit einem «hier» antworteten. Wie üblich hatte der III.Weg für seinen Trauermarsch seinen Teilnehmern befohlen, nicht auf die Provokationen entlang des Weges zu reagieren. Die Demonstration durch die Innenstadt zum Bahnhof wurde immer wieder kurz gestoppt. Kurz vor dem Ziel kam es immer wieder zu kleineren Blockadeaktionen. Die Polizei, die mit über 1.000 Beamten im Einsatz gewesen sein soll, begnügte sich damit, einen Fahrstreifen zu räumen, um die Neonazis so an den Blockaden vorbeizuführen.

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