StrohmeierLandesvorsitzender des III.Weg bald wieder in Haft?

Walter Strohmeier bei einer Rede in Straubing 2017

Walter Strohmeier, zentraler Kader und „Gebietsleiter Süd“ der neonazistischen Kleinstpartei III.Weg wurde am Mittwoch wegen Untreue in 250 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Eine erneute Bewährung wollte das Gericht nicht gewähren. Der Grund dürfte auch parteiintern für Diskussionen sorgen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Der Landesvorsitzende des III.Weg, Walter Strohmeier, war im März 2017 schon mal knapp einer Haftstrafe entgangen. Er hatte auf einem Volksfest randaliert, Beamte beschimpft und verbotene Parolen gerufen.

Mehrere Sicherheitsmitarbeiter und Beamte waren nötig, um ihn auf die Wache zu bringen. Nur seine familiäre Situation ersparte ihm damals den Knast. Er schob vieles auf den Alkohol.

Am Mittwoch sah das Schöffengericht Viechtach keine Chance mehr auf Bewährung, auch wenn es sich dieses Mal nicht um eine erneute Gewalttat handelt. Aber auch hier war wieder eine Sucht im Spiel.

Chance auf Bewährung verspielt

Strohmeier soll, wie die Passauer Neue Presse berichtet, über 45.000 Euro beim Online-Glücksspiel verloren haben. Geld, dass ihm nicht gehörte. Er hatte Zugriff auf das Paypal-Konto eines handwerklichen Betriebs, in dem er als Büroangestellter arbeitete.

Das Abzweigen der Summen, das erste Mal angeblich unabsichtlich, wurde intern zunächst nicht bemerkt und soll ihn angespornt haben. Erst die Bank machte den Firmeninhaber aufmerksam. Zwischenzeitlich hatte er 25.000 Euro zurückerstattet, dank einer Gewinnsträhne, die sein Konto auf 90.000 Euro hat anwachsen lassen. Der Chef der Baufirma, gab ihm eine zweite Chance, zeigte ihn damals noch nicht an, redete ihm ins Gewissen, doch Strohmeier machte weiter.

Beim Roulette soll er an einem Wochenende 17.000 Euro verloren und auch während der Arbeit gepokert haben, während die Firma in Schieflage geriet. Der strafrechtliche Vorwurf auf Untreue in 250 Fällen verdeutlicht das Ausmaß seines Griffs in die Kassen.

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Von dem neuerlichen Schaden soll noch nichts zurückgezahlt sein, weil Strohmeier noch andere Schulden drücken. Sein Anwalt wollte laut Viechtacher Zeitung erneut eine Bewährungsstrafe. Das Gericht sah dafür keinen Spielraum. Die Chance zur Bewährung habe er schon von seinem Chef bekommen und verspielt.

War es das für Strohmeier beim III.Weg?

Dass Strohmeier Poker spielte, wenn er nicht auf Versammlungen des III.Wegs krude Reden hielt, war seit einiger Zeit bekannt. Im Netz finden sich Berichte von Turnieren, bei denen er kleinere vierstellige Summen gewonnen hatte. Auf einem Siegerfoto lag er sich mit dem Zweitplatzierten, einem Deutschen wahrscheinlich türkischer Abstammung im Arm, also einer Person, deren Zugehörigkeit zur Bundespolitik der III.Weg wohl vehement bekämpfen würde.

Strohmeier ist seit etlichen Jahren der zentrale Kader des neonazistischen Spektrums in Ostbayern. Seine führende Rolle wurde nur durch eine mehrjährige Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, zu Beginn des letzten Jahrzehnts unterbrochen. Er war in diversen Kameradschaften und Zusammenschlüssen aktiv und leitet den „Stützpunkt Ostbayern“ der neonazistischen Kleinstpartei III.Weg. Im August 2018 übernahm er von Kai Zimmerman die Leitung des „Gebietsverbands Süd“ und ist damit eine Art Landesvorsitzender der Partei. Bei den bundesweiten Demonstrationen zählte er zum festen Rednerpool der Organisation.

Der III.Weg gibt sich seit einiger Zeit elitär, um sich von der in ihren Augen rein subkulturellen „Nazi-Szene“ abzugrenzen. In ihrer Propaganda sehen sie sich als „zur Selbstaufopferung bereite Idealisten und politische Soldaten“ und reklamieren angebliche Werte von „Ehre und Treue“ für sich, mit denen bereits die NS-Propaganda spielte. Für so eine Organisation dürfte der Fall eines hohen Funktionärs, der in der Hoffnung auf persönliche Bereicherung leichtsinnig und unverantwortlich mit anvertrauten Geldern spekuliert, eher ein Problem darstellen als eine Körperverletzung.