Schwach besuchte Corona-Demo auf TheresienwieseEin kleines Stückchen Genugtuung

Eine Personalienfeststellung führte zu Unmut bei Querdenkern

Der vom pensionierten Polizeibeamten Karl Hilz seit Wochen ausgerufene große Showdown an Ostern gegen die Infektionsschutzmaßnahmen blieb aus. Etwa 220 Anhänger kamen zur Theresienwiese zur letzten Kundgebung während der Osterfeiertage. Hilz selbst konnte nicht sprechen. Eine simple Personalienfeststellung sorgte bei den Querdenkern für Aufruhr. Die hatte aber ihre absolute Berechtigung. Es ging um einen Vorfall, bei dem ein Vater sein Kind einer möglichen Auseinandersetzung mit der Polizei aussetzte. Ein Unding, wie es in der Pandemieleugnerszene häufiger vorkommt.

Bei der Corona-Demo heute auf der Theresienwiese konnte ein Vorfall vom 13.März hoffentlich zu einem guten Abschluss geführt werden. Damals war es bei der Kundgebung, die in der Polonaise auf dem Marienplatz endete, in der Maximilianstraße zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei München und Teilnehmern gekommen.

Kind mittendrin in der Auseinandersetzung mit Polizei»

Dabei geriet ein Kind in die vorderste Front. Ein Polizist trug es weinend hinter die Kette, wo es später dem Vater übergeben wurde. Laut Kollegen taucht der Mann kurze Zeit später wieder mit dem Kind in brenzliger Situation auf. Polizisten bedauerten es gegenüber Fotografen, dass im Chaos keine Zeit blieb, die Personalien festzustellen, um mit dem Mann mal in ruhiger Atmosphäre Tacheles bezüglich Kindswohl zu reden. Auch demonstrationserfahrene Fotografen hatte der Vorfall nicht losgelassen. Es erinnerte an eine Szene von der zweiten Querdenker-Demonstration in Berlin, wo der Kauferinger Arzt und Impfgegner Rolf Kron mit seinem Kind auf den Schultern die Konfrontation mit Einsatzkräften gesucht hatte.

Eben jener Vater von der Maximilianstraße nahm heute an der Versammlung auf der Theresienwiese teil und wurde von einem Kollegen wiedererkannt. Als die Polizei die Personalien feststellen wollte, zeigte sich der Mann uneinsichtig und es mussten weitere Kräfte hinzugezogen werden. Eine Querdenkerin informierte ihrerseits «ihre Truppen» und es kam zu dem kleinen Auflauf, der im Titelbild zu sehen ist. Die Polizeikräfte wurden bedrängt, abgefilmt und mussten sich hier einiges von den Querdenkern anhören. «Schämt euch» waren hier wieder die harmlosesten Formulierungen.

Tansania und Schweden stehen bei Querdenkern wegen der dortigen Corona-Politik hoch im Kurs

Versammlungsleiter stellt sich hinter NS-Vergleiche

An der Versammlung an sich nahmen 220 Personen teil. Der pensionierte Polizist Karl Hilz hatte bekanntlich Ostern zum Showdown erklärt, an dem «die Masken endgültig fallen» sollten. Hebel sollte die schlichte Nichtbeachtung des Infektionsschutzes sein. Die Kundgebungen über die Feiertage waren schlecht besucht und auch heute standen seine Anhänger alle «brav» mit Maske auf der Theresienwiese, über die ein scharfer Wind durchgehend Staubwolken trieb.

Hilz selber konnte wegen der üblichen Probleme mit den Auflagen gar nicht erst teilnehmen. Auch die Organisatorin der Proteste in Poing bei München wurde mit Polizeibegleitung vom Versammlungsgelände gebracht.

Von Auflehnung gegen den Infektionsschutz war keine Spur zu sehen

Erwähnenswert sind noch einige üble NS-Vergleiche, die vom Versammlungsleiter Bernd Thomas Dreyer bekräftigt wurden. Gerhard Pettenkofer, der in Landshut als parteiloser Direktkandidat für eine der Querdenker-Parteien antritt, bewarb die «Verfassungsgebende Versammlung», der er angehöre. Die Gruppe wird von den Sicherheitsbehörden dem Spektrum der Reichsbürger zugerechnet, was Pettenkofer bestritt. Die Sängerin der im Playback auftretenden Hausband spielte wohl mit Verschwörungserzählungen aus dem QAnon-Umfeld. Das Lied «Für eine bessere Zeit» sei dem Kampf gegen «Kinderhandel» gewidmet und der Suez-Kanal sei nicht zufällig blockiert worden.
Der kommissarische AfD-Landesvorsitzende Hansjörg Müller traf erst weit nach Ende der Veranstaltung an der Theresienwiese ein.

Mitte April will Bernd Thomas Dreyer wieder mit einer Großdemo auf die Maximilianstraße mit Blick auf den Landtag. Ob der Ort nach der Ereignissen vom März genehmigt wird, ist dagegen unsicher. Für den 1. Mai ruft Markus Haintz zu einer «Großdemonstration» auf. Gut möglich, dass die bayerische Landeshauptstadt das «nächste Kassel bzw. Stuttgart» werden soll.