Der AfD-Bundesparteitag in Riesa aus Sicht der AfD Bayern:Bayerische Kandidaten fielen weitgehend durch

Nur Peter Boehringer (rechts) schaffte es aus Bayern in den neuen AfD-Bundesvorstand. Hier mit Islamfeind Michael Sürzenberger bei einer Veranstaltung in München (Archiv)

Viel Schatten gab es beim Bundesparteitag der AfD in Riesa für die Vorstandskandidaten aus Bayern. Meist gab es bei den Wahlen herbe Abfuhren für die Kandidaten, auch für die, die auf der Wunschliste des Bundessprechers Tino Chrupalla gestanden haben sollen. Im neuen Bundesvorstand ist nur Peter Boehringer vertreten.

Im alten Bundesvorstand war die bayerische AfD mit zwei Beisitzern vertreten. Der niederbayerische Bundestagsabgeordnete und Ämtersammler Stephan Protschka wurde danach Landesvorsitzender der bayerischen AfD und trat nicht mehr an. Sylvia Limmer, Europaabgeordnete aus Bayreuth, macht sich beim Anhang vor allem dadurch unbeliebt, dass sie anders als Protschka im Bundesvorstand mit Meuthen, von Storch und anderen für den Ausschluss von Andreas Kalbitz stimmte. Sie wurde dafür von Teilen der Partei auf eine Art «Verräter / Spalter»-Liste gesetzt. Auch sie trat nicht mehr an.

Nach der Kalbitz-Abstimmung verbreitetes Sharepic mit Sylvia Limmer als «Spalterin» (rechts neben von Storch)

Drei Bayern auf Chrupallas «Wunschzettel»


Laut einer verbreiteten Liste (Bild: Tweet von Nadine Lindner, DLF , vom 8.Juni) hatte der nach dem Austritt Meuthens verbliebene Bundessprecher Tino Chrupalla ein Wunschteam für den neuen Bundesvorstand zusammengestellt. Dazu zählten aus Bayern die Bundestagsabgeordneten Peter Boehringer und Gerrit Huy, sowie der Landtagsabgeordnete Ingo Hahn, ehemals Fraktionsvorsitzender der AfD im Bayerischen Landtag.


Tino Chrupallas «Wunschzettel» für den neuen Vorstand Screenshot Twitter

Der frühere Vorsitzende des Haushaltsausschuss Peter Boehringer galt eine Zeit lang auch als möglicher Kandidat für den Bundesvorsitz. Zumindest hielt ihn der AfD-Ehrenvorsitzende Gauland laut Medienberichten für einen geeigneten Nachfolger. Er gewann die Kampfkandidatur um den Posten des zweiten Stellvertreters mit 55 zu 42 Prozent gegen die ehemalige CDU-Abgeordnete und Vorsitzende der Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach. Boehringer wird von der Partei nach außen als ihr Finanzfachmann verkauft. Schlagzeilen machten aber auch Ausfälle gegen die ehemalige Bundeskanzlerin, die er im Zuwanderungskontext mit «Merkelnutte» betitelt hatte. Er bedient regelmäßig extrem rechte Medien und ist mit dem rechtsextremistischen Verschwörungsblogger Oliver Janich per Du.

Hahn und Huy fielen deutlich durch


Weniger gut lief es für Gerrit Huy. Die Bundestagsabgeordnete, die kurz vor dem Bundesparteitag noch als Referentin bei einem von rechten Initiativen, AfD-Politikern und Identitären getragenen «Frauenkongress» auftrat, verpasst mit nur 23 Prozent der Stimmen sogar die Stichwahl um den Posten des Schriftführers / der Schriftführerin. Sie war vor der AfD in der Automobilbranche tätig und gibt an, vor allem am Rentenprogramm der Partei mitgewirkt zu haben.

Rechts: Ingo Hahn, Wunschkandidat Chrupallas, wurde nicht gewählt. Hier mit dem inzwischen verstorbenen MdL Josef Seidl auf dem Weg zu einem Parteitag in Greding (Archiv)

Auch für Ingo Hahn gab es keinen Platz im neuen Parteivorstand. Er zog zwar anders als Huy in die Stichwahl um einen Beisitzerplatz ein, dort gab es aber weder für ihn, noch für seinen Mitbewerber eine Mehrheit, weshalb die Wahl neu gestartet wurde. Dort trat er nicht mehr an. Hahns Platz auf der Wunschliste von Chrupalla war eine Überraschung. Im Landesverband Bayern scheint der Professor für Geographie, Geoökologie und Kartographie dagegen weniger angesehen zu sein. Bei der Aufstellung der Bundestagsliste bewarb sich Hahn um einen Platz für Berlin, was als Flucht aus der chaotischen Landtagsfraktion gesehen wurde und fiel bei den Mitgliedern durch. Er sieht sich als Klima- und Umweltexperte und hätte für den neuen Bundesvorstand wohl nach außen die Parteipositionen gegen den menschengemachten Klimawandel vertreten sollen sowie die Ablehnung von Wind- und Sonnenenergie, womit er auch im Bayerischen Landtag immer wieder auffällt.

Auch Böhm und Winhart ohne Chance

An Stelle von Hahn bemühte sich der Coburger Landtagsabgeordnete Martin Böhm um einen Posten als Beisitzer. Böhm hatte in Greding auch als Landesvorsitzender kandidiert und wurde später zweiter Stellvertretender von Protschka. Im Landtag bedient er wie kein zweiter die teilweise antisemitisch angehauchten Narrative einer «Globalisten»-Verschwörung. Zu Böhms Pech machte sich in dem Wahlgang Alice Weidel persönlich für seinen Gegenkandidaten Carlo Clemens, den Bundesvorsitzenden der als Verdachtsfall eingestuften Jungen Alternative stark und Böhm unterlag mit 31 zu 59 Prozent, die restlichen Delegierten lehnten beide ab.

Auch Andreas Winhart (links) wurde nicht gewählt. Hier mit MdL Jan Schiffers auf dem Weg zu einem Parteitag in Greding (Archiv)

Jenseits des Chrupalla-Tickets kandierte noch der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Andreas Winhart, nach der Abwahl des Ebner-Steiner / Hahn-Vorstandes parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion im Maximilianeum. Seine rassistischen Ausfälle schafften es bis in die Heute-Show. Er lobte auf Twitter noch die Rede von Chrupallas Gegenkandidat Norbert Kleinwächter und erhielt im Wahlgang um den zweiten Beisitzer-Posten mit nur 18 Prozent eine klare Abfuhr der Delegierten. Hier setzte sich am Ende der Unterstützer von «Flügel»-Positionen bekannte Landesvorsitzende aus Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, durch.